Unsere Weinernte 2026 war ganz anders als die Bisherigen. Warum? – Dazu gleich mehr. Außerdem nehme ich euch in diesem Teil des Italientagebuchs mit in mein Lieblingscafé in Soriano nel Cimino und in den frisch renovierten Schlosspark der Villa Lante in Bagnaia.
15. September 2026
Wir haben sie etwas hinausgezögert, die Traubenernte in diesem Jahr. Es mangelte uns an Motivation. Sollen wir überhaupt ernten? Lohnt der ganze Aufwand? Der fehlende Elan hat zwei Gründe:
Zum einen hat sich unser Weinkonsum stark verringert. Wir produzieren nur für den Eigenbedarf und haben von den stolzen 300 Litern aus 2025 nur etwa 100 Liter getrunken (nicht alleine! Zusammen mit Familie und Freunden 🙂). Unser Weißwein ist ein einfacher, aber schmackhafter Landwein, den wir nicht in Flaschen abfüllen, sondern im Stahltank lagern. Die Kühlung im Lagerraum bietet keine gleichbleibende Temperatur. So verändert sich der Wein, zumal wir keinen Schwefel oder Sulfite zusetzen, und hält immer nur rund ein Jahr.
Zum Anderen sind im Juli Wildschweine über unseren Weinberg hergefallen und haben ca. 50 Prozent der, in diesem Jahr wirklich süßen und saftigen Trauben aufgefressen. Ein frustrierendes Ereignis. Selbst unser Elektrozaun konnte die Tiere nicht aufhalten. Womöglich lag ihr Drang nach den Trauben am extrem heißen und trockenen Sommer. Im Wald gab es für sie nicht mehr viel zu finden, erst recht nichts Feuchtigkeit spendendes. Nicht nur die Trauben haben sie gefressen, sondern leider auch einige Rebstöcke zerstört. Für die kommende Saison werden wir diese wahrscheinlich nicht ersetzen, sondern ein ganz neues Konzept für unseren kleinen Weinberg schaffen. Dazu dann mehr im Italientagebuch in den kommenden Folgen.
- Grechetto-Trauben bilden diese länglichen Bündel.
- Selbstverständlich hilft auch János mit.
- Ein schöner Anblick: Die Körbe füllen sich.
Da auch jetzt, Mitte September, das Thermometer tagsüber noch immer bis 30 Grad steigt, haben wir das Pflücken im Weinberg zum ersten Mal in die Abendstunden verlegt. Eine sinnvolle Maßnahme, die wir in Zukunft beibehalten möchten. Nur an der Beleuchtung müssen wir dann noch arbeiten. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde die Traubenlese zur Schatzsuche.
- Wir weichen der Hitze aus – Weinernte in der Nacht.
- Weinberg-Grusel – Bomarzo ist ja bekannt für seine Monster.
- Angeleuchtet: Unsere Malvasia-Trauben
Am nächsten Vormittag ging es dann im Schatten unserer Tafeltrauben-Pergola weiter mit der Pressung, dem Filtrieren und Abfüllen in den Stahltank. Da es, aufgrund des Raubzugs der Wildschweine, weniger Trauben waren, haben wir dieses Mal auf einige Arbeitsschritte verzichtet. Sogar die Abbeer-Maschine haben wir nicht eingesetzt. So kamen die Stiele mit in die Pressung. Wir sind gespannt und hoffen, dass der Wein dadurch nicht zu bitter wird.
- Zuschauer auf Samtpfoten
- Weinpressen auf traditionelle Art
- Ab die Most! … in den Stahltank.
Wie immer, haben wir das geschmackliche Resultat erst im November, dann wenn der Wein fertig gereift ist. Zum Mengen-Ergebnis können wir natürlich schon jetzt etwas sagen: 50 Liter Weißwein-Cuvée aus Malvasia, Grechetto und Moscatello sind im Fass. Zum Vergleich: Letztes Jahr kamen wir auf 300 Liter, 2024 waren es 200 Liter und 2023 ergaben sich 45 Liter.
Wenn ihr unsere vorherigen Weinernten nachverfolgen wollt, lest hier:
Weinlese 2025, Kaktusfeigen und eine Nachtwanderung durch den Sacro Bosco – Italientagebuch Teil 16
Weinlese 2024, ein nostalgisches Landfest und Salvatores Tierskulpturen – Italientagebuch Teil 13
Weinlese 2023, Shopping beim Önologen und Gassirunde nicht nur mit Hund – Italientagebuch Teil 4
18. September 2026
Es ist weder besonders angesagt noch ausgefallen oder auffällig, auch liegt es etwas ab vom Schuss und dennoch gehört das kleine Café im Parco le Paperelle, dem Entenpark, zu meinen liebsten Sommerplätzen in Soriano. Für einen Cappuccino und ein Cornetto ist es einfach perfekt.
Es befindet sich etwas unterhalb der Altstadt von Soriano direkt an der Ortstzufahrtstraße Viale Stazione. Durch ein steinernes Portal tritt man ein in den kleinen Park und sitzt im Café unter hohen Bäumen die das Areal im Sommer zu einem angenehm kühlen Platz machen.
Zu einer Seite hin ist der Park durch eine hohe Felswand und einem Teich davor begrenzt. Die Wand zeugt noch von dem Steinbruch der an dieser Stelle einmal war. Im Teich wimmelt es von Fischen, die neugierig heran schwimmen, wenn man die Hand in’s Wasser hält. Außerdem leben Schildkröten im Teich, die sich meistens auf den Felsen am Rand sonnen.
Besonders viel Spaß machen mir allerdings die Enten, die dem Park seinen Namen geben. Sie sind erstaunlich zutraulich und kommen schnatternd und watschelnd herbei, sobald sie jemanden entdecken. Das zaubert mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht. Ich weiß natürlich, dass man Enten nicht füttern soll. Aber wenn vom Cornetto ein winziger Krümel übrig bleibt, fällt mir das standhafte Ignorieren dieser Regel zugegebenermaßen ziemlich schwer.
Auch für Familien ist der Park ein schöner Ort: Es gibt einen kleinen Spielplatz und einen Tischfußballkicker. Hin und wieder finden Veranstaltungen statt, außerdem gibt es Pizza-Abende. Überhaupt scheint das Café ein kleiner Treffpunkt für die Menschen aus Soriano zu sein – ein Ort, an dem man sich trifft, plaudert und den Sommer genießt.
Schade nur, dass irgendwann Schluss ist. Spätestens wenn das Wetter gegen Ende Oktober ungemütlicher wird, schließt das Café seine Pforten. Vielleicht macht genau das seinen besonderen Charme aus. Der Entenpark ist einer dieser kleinen Sommerorte, die man irgendwann vermisst und auf die man sich umso mehr freut, wenn die Wintermüdigkeit einsetzt und man dringend wieder ein bisschen italienische Sonne im Gesicht gebrauchen könnte.
Rückblick 6. September
Von Soriano geht’s in’s benachbarte nach Bagnaia. Dort besuchten wir Anfang September die Villa Lante, die nach einem Jahr Restaurierung jetzt wieder geöffnet ist. Ich war schonmal dort, im Mai 2023 als meine Schwester Luisa mich hier in Bomarzo besuchte. So war es spannend, zu sehen, was sich seitdem verändert hat.
Die Villa Lante in Bagnaia ist eine weltberühmte Renaissance-Gartenanlage, die vor allem für ihr spektakuläres Wasserspiel bekannt ist. Der absolute Clou? Das gesamte Wasser in den Kaskaden und Brunnen fließt bis heute rein durch die Schwerkraft und das natürliche Gefälle des Berges, ganz ohne elektrisches Pumpwerk.
- Grotte ganz oben im Schlosspark. Hier entspringt das Wasser für die Wasserspiele.
- Hände reinhalten verboten!
- Ausblick auf den unteren Teil des Gartens. Dahinter der Ort Bagnaia
Der Startschuss für das Prachtstück fiel 1566. Kardinal Gianfrancesco Gambara ließ die Anlage auf einem bewaldeten Hügel errichten. Seine Nachfolger bauten fleißig weiter. So kam es auch zu der Kuriosität, dass die beiden fast identischen Zwillings-Palazzi von unterschiedlichen Kardinälen im Abstand von rund 20 Jahren gebaut wurden.
Gambara, war ein ziemlich gefürchteter Inquisitor der katholischen Kirche, scheinbar ein knallharter Machtmensch mit einer Prise Größenwahn. Seinem Wappentier dem Krebs bzw. der Garnele (italienisch: gambero) begegnet man im gesamten Garten an Balustraden, Brunnenrändern und Simsen. Etwas Humor scheint er dennoch gehabt zu haben: Versteckte Wasserspiele bespritzen ahnungslose Gäste beim vorbei spazieren – ein beliebter Scherz der Renaissance.
- erwischt!
- Der Delfinbrunnen
- Die Fresken im Palazzo zeigen Renaissance-Gärten der Nachbarorte
Und wie sieht es heute aus? Nach der Renovierung strahlen Gebäude und Brunnen aus vulkanischem Peperino-Gestein in neuem Glanz – komplett befreit von Moos, Flechten und den Ablagerungen der Jahrhunderte. Deutlich mehr Brunnen als noch in 2023 sind wieder in Funktion. Wir erfuhren, dass, aufgrund der immer stärkeren Wasserknappheit ein nachhaltiges Wasser-Recycling-System installiert wurde – sehr löblich!
Weniger lobenswert fand ich allerdings die strengen Vierbeiner-Regeln. Dass im Schlossgarten absolutes Hundeverbot herrscht, geschenkt. Aber im riesigen öffentlichen Park ringsherum gilt eine strikte Maulkorbpflicht! Der Park, ehemals Jagdgebiet der Adligen, mit seinem Jagdschlösschen, der Eiskeller-Grotte und den monumentalen Eichen, ist doch so weitläufig. Es gibt viel Platz auf weiten Wiesen. Warum um alles in der Welt muss mein Hund dort einen Maulkorb tragen?
Wie seht ihr das? Kennt ihr auch Orte, an denen euch solche Hunderegeln völlig übertrieben vorkommen? Schreibt es mir unbedingt unten in die Kommentare!

Steintisch für Bankette mit Wasserrinne zur Kühlung von Wein und Früchten (2023)
- Die Wassertreppe mit ineinander verschlungenen Krebsscheren umrandet, 2023
- Die Zwillings-Palazzi, 2023
Zum letzten Teil des Italientagebuch geht es hier: Olivenernte 2025, neue Granatäpfel und Schlangenrettung – Italientagebuch Teil 17
Über ein weiteres italienisches Märchenschloss lest ihr hier: Castello Ruspoli – wo János zum Schlosshund wird
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Zur Ernte: Hm, wenn ihr doch etwas zur Stabilisierung am Wein zufügt könnte die eine Ernte die andere ausgleichen. 100 liter Verbrauch pro Jahr gegen 2 Jahre mit nur 50 Liter Ernte. Und den Rest schickt ihr einfach zur Niederlande. Oder braucht ihr sowieso niemals extra Wein zu Kaufen. Zum Entenpark: wenn Soriano nur nah an Chia wäre. Ach, ist ja so! :-). Zum Schlosspark: War geschlossen als wir während Ferien einige km dahin gelaufen sind. Ich weiß nicht ob ich das Risiko nochmals nehmen will. 🙂
Hallo Marc,
vielen Dank für Deinen umfassenden Kommentar. Wie gesagt, für den Wein haben wir einen neuen Plan. So viel sei schon verraten: Wir verkleinern den Weinberg, werden die verbleibenden Rebstöcke hochstocken und Lücken mit Granatapfel- und Orangenbäumen füllen. Es wird experimentell 🙂 Den Jahrgang 2026 könnt ihr dann ja im Frühling kosten und euch vorher eine Grundlage mit Kuchen im Entencafé schaffen.
Ihr hattet leider Pech mit der Villa Lante. Das war genau zu der Zeit der Renovierung. Versucht es unbedingt nochmal, wenn ihr hier seid. Es lohnt sich und es gibt auch interessante Bezüge zu Orsini und dem Sacro Bosco.